Spam 2.0



Spam 2.0 - Aufkommen von Junkmails verdoppelte sich in den letzten sechs Monaten

Laut der Anti-Spam Firma Ironport hat sich das Aufkommen von Junkmails in den letzten sechs Monaten verdoppelt. Neun von zehn E-Mails, die weltweit über die Server gehen, versuchen Werbung für eine Penisverlängerung, Medikamente, neue Investmentfonds, unerlässliche Produktinformationen, Bettelbriefe, Pornoseiten oder Ähnliches an die Frau oder den Mann zu bringen.
Die Experten sprechen dabei von einer neuen Generation, dem Spam 2.0. Noch vor drei Jahren hatte Bill Gates orakelt, das Problem mit dem Spam wäre im Jahre 2006 ausgestanden. Es sah eine ganze Zeit lang auch so aus, als wenn er mit seiner Aussage Recht behalten würde. Konnten früher die Inhalte der Mails auf bestimmte Schlagwörter hin untersucht und diese effektiv ausgefiltert werden, so verschicken heute viele Werbeträger ihre ungewollten Botschaften als Bilder. Diese können automatisiert kaum - wenn überhaupt - auf ihren Inhalt hin untersucht werden. Es begann der grosse Schlagabtausch mit der Industrie. Diese entwickelte die so genannte "optical character recognition". Also eine Erkennung von Buchstaben innerhalb von Bildern. Die Spammer reagierten mit dem Einstreuen von Tupfern und anderem graphischen Müll. Gerade so viel, um die Texterkennung zu umgehen und doch so dezent, dass das menschliche Auge die Buchstaben also solche erkennen kann. Schachmatt in einem Zug also.

Andere Methoden sind weniger ausgefeilt, aber nicht weniger effizient im Kampf gegen die Anti-Spamfront. Die Mails werden ständig geringfügig in ihrem Inhalt verändert. So reicht das Einfügen von Leerzeichen, um diese von vormals indizierten Mails zu unterscheiden. Weil vom Schutz nichts mehr zu spüren ist, werden Administratoren von Mitarbeiten offen auf dem Flur darüber befragt, ob sie den Spam-Filter für den Firmenserver deaktiviert hätten.

Die perfideste Methode um seine Nachrichten breitflächig zu streuen, ist der Einsatz von Schädlingsprogrammen. Diese nehmen sich oftmals die Adressliste der E-Mail Applikation vor und verteilen fleissig im Hintergrund. Weil der Absender dem Empfänger bekannt ist und damit dessen Mails nicht als verdächtig erscheinen, können auch hier diverse Schutzmassnahmen umgangen werden. Und man kann nicht von jedem Internetnutzer, jeder Oma oder von allen Kindern verlangen, dass diese vor dem Zutritt zur Welt des World Wide Web jeweils ein Anti-Viren und Anti-Spyware-Diplom ablegen.

Da rechtlich im Kampf gegen die Pillendreher aus aller Herren Länder nicht viel auszurichten ist, scheint der beste Schutz nach wie vor der extrem umsichtige Umgang mit der Angabe der eigenen E-Mail Adresse zu sein. Der Eintrag in nur ein Gästebuch, wo die tatsächliche Adresse eingesehen werden kann, oder eine Mailingliste in der man mitdiskutieren möchte, kann schon eine zuviel gewesen sein. Hat man die Plagegeister wegen fehlender Vorsicht oder Vorkenntnissen gerufen, wird man sie zeitlebens nicht wieder los.

Noch wurde die letzte Schlacht nicht geschlagen aber im Moment scheint der Kampf verloren zu sein. Vom Sieg gegen die Spamflut, von dem einst Bill Gates ausging, sind wir derzeit leider Lichtjahre entfernt.